"100jährige Kalender" für das Jahr 2012
In den alten Zeiten, als Bücher noch sehr teuer und für viele Menschen unerschwinglich waren, gab man viele Dinge mündlich weiter. Jeder lernte vom anderen, bewahrte im Geiste das Gehörte, Gesehene und Erlebte auf und gab es weiter, zum Nutzen der Nachkommen, deren Kinder und Kindeskinder.
Damals war das Wetter der wichtigste Faktor im Leben der Landbevölkerung. Da es keine festen Regeln gab, besann man sich auf das Althergebrachte, auf die Tradition und die Erfahrung und behielt sich im Kopfe, daß ein reicher Regenfluß im April für die Ernte gut war, daß Frost im Mai jedoch dem Wein schadete. Diese groben Regeln, verteilt auf längere Zeiträume, reichten aber nicht aus. Es galt, präzisere "Gesetzmäßigkeiten" zu finden.
In Langheim in Oberfranken ließ sich Dr. Mauritius Knauer, der Abt des Zisterzienserklosters, ein Observatorium errichten, den so genannten "blauen Turm". Er war überzeugt davon, daß die "Geschicke der Weltgeschichte" im Lauf der Sterne festgelegt waren, denn, so wußte er aus alten arabischen und griechischen Schriften, die "Sterne sind Werkzeuge des ersten Bewegers".
Also beeinflußten die Sterne, Planeten und Monde nicht nur den Menschen, sein Werden und Vergehen, sondern auch das Wetter und das Klima, und somit auch den Erfolg und Mißerfolg der Ernten. Seine astronomischen Erkenntnisse, ergänzt und bereichert durch das Studium der klassischen Schriften, schrieb der Abt nieder.
In den Jahren 1652 bis 1658 beobachtete Mauritius Knauer tagtäglich das Wetter. Keine astronomische, klimatische oder atmosphärische Erscheinung entging ihm. Irgendwann erkannte der Abt, daß er sein Wissen vielen Menschen zugänglich machen mußte.
Knauer nannte seine Schrift
"Galendarjum Oeconomicum Practicum Perpetuum". Er glaubte, daß sieben Beobachtungsiahre für eine dauerhafte Wettervorhersage ausreichten, da sich nach seinen astrometeorologischen Ansichten die Witterungsabläufe entsprechend der Planetenfolge Mond, Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus, Merkur wiederholten.
Dr. Christoph von Hellwig aus Thüringen hatte sich schon längere Zeit mit astrologischen und medizinischen Schriften befaßt. Als er die Bekanntschaft von Dr. Mauritius Knauer machte, witterte er sofort ein einträgliches Geschäft.
Er verkürzte die vom Abt erstellte und berechnete Planetentafel von 1600 bis 1912 auf hundert Jahre, nämlich von 1701 bis 1800, und ließ den Kalender 1704 drucken. Im Jahre 1720 versah der Verleger Weinmann aus Erfurt die Schrift mit dem Titel
"100-jähriger Kalender". Bis zum Jahre 1860 wurde dieser Kalender in über 180 Auflagen gedruckt und verbreitet.
Auch heute wird noch immer gern nach dem 100-jährigen Kalender gegriffen, denn Wetter und Klima sind in unseren Tagen genauso aktuell wie schon vor über 200 Jahren.
Das Jahr im ganzen gesehen ist mehr trocken als feucht, auch mehr kalt als warm, und selten recht fruchtbar.
Winter
Während der Winter anfangs ziemlich trocken ist, so ist ab Februarmitte mit viel Feuchtigkeit zu rechnen. Es kommen viele Regenfälle. Sehr kalt wird es dabei nicht.
Frühling
Das Märzende ist schon warm, die Wiesen fangen an zu grünen. Der April, anfangs bis zum 24. mal trocken, mal nass. Danach wird es lieblich und warm. Der Mai, der anfangs rauhe Tage hat, bekommt dann auch seine schöne, warme Zeit. Aber im ganzen ist der Frühling rauh und unmild, so daß der Wein und der Winteranbau in großer Gefahr steht und in der Blüte leicht erfrieren kann. Auch die Gartenfrüchte können mancherorts betroffen sein.
Sommer
Im Sommer hat es wieder viel Regen, doch die Erde wird davon nicht erquickt werden. Zwischen dem Regenwetter gibt es aber immer wieder schöne Tage, so daß Heu und Getreide hereingebracht werden kann. Doch muß man sich eilen und darf keinen schönen Tag versäumen.
Herbst
Bis zur ersten Hälfte des Oktobers gibt es viel Regen und frühen Reif und sogar Frost. Erst dann fällt schönes Wetter ein. Dies sollte dauern bis nahezu zum Anfang der Adventtage. Wenn auch bisweilen ein kleiner Regen fällt, braucht man sich mit der Weinlese und mit der Herbstsaat nicht sonderlich beeilen.
Winter
Nach dem schönen und langen Herbst kommt dann der Schnee und es wintert schon ein wenig ein. Zuerst schneit es und dann gefriert es zu. Große Kälte und auch Schnee.
| Januar |
| 1. - 6. | die vorhergehende Kälte dauert fort |
| 7. | schneit es |
| 8. - 15. | wieder kalt |
| 16. - 22. | wird es lind, es schneit und regnet |
| 23. - 29. | wird es wieder kalt |
| 30. - 31. | kommt linde Luft |
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| Februar |
| 1. - 3. | fängt er trüb an |
| 4. | ein schöner lustiger Tag |
| 5. - 7. | wird es unlustig |
| 8. | fällt eine große Kälte ein |
| 9. | ein so kalter Tag, dergleichen in vielen Jahren nicht gewesen ist |
| 10. - 11. | auch sehr unleidlich kalt |
| 12. - 14. | wir es jählings warm mit Regen, daß aller Schnee in einem Tag vergeht, darauf kommt großes unordentliches Wasser |
| 15. - 26. | ist das hohe Wasser am größten, wird vielen Schaden anrichten, dabei weiches warmes Wetter |
| 27. - 28. | rauh und unlustig mit Frost, Regen und Schnee |
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| März |
| 1. - 10. | Wärme und Regen |
| 11. - 12. | zwei herrlich schöne Tage |
| 13. - 25. | wieder Regen |
| 16. - 22. | hellt es sich auf |
| 26. | wird es wieder kalt |
| 27. - 31. | schön und warm |
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| April |
| 1. - 15. | ist kalt und trocken und unfreundlich |
| 16. - 17. | große Kälte, im Garten erfrieren viele Pflanzen |
| 18. - 23. | wird es leichter und etwas wärmer |
| 24. - 26. | schön lieblich warm |
| 27. | erster Donner |
| 28. - 30. | schön lieblich, warm |
| Mai |
| 1. - 4. | dauert das schöne warme Wetter an |
| 5. - 7. | diese Tage sind windig und rauh |
| 8. - 18. | schön warm und trocken tagsüber schon heiß, was allen Wuchs verhindert |
| 20. | plötzlich kalt und Frost |
| 24. - 31. | schöne herrliche trockene Zeit |
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| Juni |
| 1. - 2. | schön |
| 3. - 9. | Regen |
| 10. - 12. | frühe Nebel und schöne Tage |
| 13. - 22. | Regenwetter |
| 23. | wieder schön, doch kommt noch zum Tagesende Donner und Regen |
| 24. - 30. | herrliche, schöne Zeit und herrliche Wein- und Weizenblüte |
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| Juli |
| 1. - 3. | große Hitze |
| 4. - 5. | großer Donner und Regen |
| 6. - 7. | Heuwetter |
| 8. - 12. | Regenwetter |
| 13. | ein einziger schöner Tag |
| 14. - 20. | Regenwetter |
| 21. - 26. | am Tag schön, nachts aber kühl und Reif |
| 27. - 28. | Donner und Regen |
| 29. - 31. | sehr warm |
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| August |
| 1. - 3. | fängt mit großer Hitze an |
| 4. - 11. | fällt Regenwetter ein, mit ungewöhnlichen großen Sturmwinden |
| 12. | ein schöner Tag |
| 13. - 20. | unstet Wetter |
| 21. | ein schöner Tag |
| 22. - 26. | wieder Regen |
| 27. - 31. | recht schön und warm |
| September |
| 1. - 2. | dauert das schöne Wetter fort |
| 3. - 4. | starker Regen |
| 5. - 8. | fein schön Wetter |
| 9. | groß Donner und Ungewitter |
| 10. - 19. | ziemlich feines Wetter |
| 20. - 28. | vermischtes Wetter |
| 29. - 30. | fällt starker Regen ein |
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| Oktober |
| 1. - 6. | fängt der Oktober mit Regen an |
| 7. - 8. | zwei schöne warme Tage |
| 9. - 13. | trüb, warm und auch Regen |
| 14. - 16. | schön |
| 17. - 23. | großer Regen |
| 24. - 28. | wieder schöne Zeit |
| 29. - 31. | Nebel und trüb |
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| November |
| 1. - 3. | schöne Zeit |
| 4. - 5. | großer Wind |
| 6. - 7. | Regen |
| 8. - 15. | wieder schön, doch bisweilen Nebel und trüb |
| 16. | fällt Frost ein |
| 17. - 26. | bald trüb, bald wieder gefroren |
| 27. - 30. | andauernd Regen |
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| Dezember |
| 1. | wirft auf den nassen Erdboden großen Schnee und wintert auf einmal zu |
| 2. - 4. | großer Wind und ungestüm |
| 5. | wieder großer Schnee |
| 6. | hellt sich auf |
| 7. - 19. | wird es sehr grausam kalt |
| 20. - 28. | weiches Wetter mit Regen, geht unterdessen bei uns der erste Schnee hinweg, im Bergland bleibt er liegen |
| 29. - 31. | schneit es wieder zu, folgt nun grimmige Kälte |
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Zuletzt aktualisiert am 30.04.2012 von Bernhard Steibl